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Veni, Vidi, Vici – Eine Geburtsgeschichte

Die letzten Wochen vor der Geburt waren einfach anstrengend. Passend zum Winter und auch noch Vorweihnachtszeit hatten die zwei Großen alles an Krankheiten, was sie nur mitnehmen konnten. Dazu kam der Stress bei der Arbeit und zusätzlich die Alarmbereitschaft, jederzeit los zu müssen, in den ungünstigsten Situationen. Es gab zwei mögliche Termine. Der eigentliche errechnete Termin war am 27. Dezember und verstrich ohne Vorkommnisse, sowie auch der Termin im Mutterpass, der mit dem 1. Januar datiert war, ging an uns vorbei.

Und so ging es dann mit der Arbeit im Neujahr auch weiter. Die Schwangerschaft wurde natürlich auch nicht leichter. Katerina war maximal gestresst und fertig, da unsere Kita auch noch zu unserem „Glück“ erst am 6. Januar wieder anfing. Es kam auch da alles zusammen, was zusammen kommen konnte.

Ein „Gönn dir so richtig – Tag“

Currywurst mit Pommes

Am ersten Neujahrswochenende, am Samstagvormittag haben Oma und Opa die Kinder uns abgenommen, sodass Katerina endlich mal runterkommen konnte. Wow…das war ein unbeschreibliches Gefühl. Wir sind, man kann es kaum glauben, an dem Tag tatsächlich in die Sauna gefahren…ja, echt jetzt, ohne Witz…wirklich zu zweit. In solchen Tagen…ein unfassbarer Traum. Nach dem Saunieren haben wir uns dann auch noch was richtig gegönnt im Restaurant. Schon schön, wenn man sein Essen ungestört geniessen kann, ohne das kleine Patschehändchen einem das Essen vom Teller nehmen oder viel schlimmer, dass es Alarm gibt. Wir hatten eine entspannte Zeit bis 15 Uhr.

Als ich bei Muddern war, um die Kinder abzuholen, teilte ich eigentlich nur beiläufig mit, dass wir am nächsten Vormittag ins Klinikum zur Ultraschallkontrolle gehen müssten. Und kam dann noch ne mega Überraschung von ihr. Bzw. ihr ist, um es genau zu nehmen herausgerutscht, dass die Kinder, über Nacht bleiben könnten. Wer hätte da nicht „Nein“ gesagt? Ich behaupte mal die Wenigsten. Ich dann schnell wieder mit Muddern’s Auto zurück und ohne Kiddies, und überbrachte die frohe Kunde.

Wie schön das war, dass wir so richtig Zeit hatten, uns zu entspannen und alle Maßnahmen zu unternehmen, die vielleicht dem Baby geholfen hätten, sich auf den Weg zu machen. Unsere erste Idee war: Spicy Food! Sobald das beste indische Restaurant der Stadt aufmachte, habe ich wirklich noch einen Tisch bekommen. Am Samstagabend! Perfekt! Egal, ob neben der Eingangstür oder nicht. Hauptsache sitzen und essen.

Bevor wir zum Restaurant gefahren sind, haben wir als gängigste Methode einen Spaziergang übern Deich gemacht. In dieser Schwangerschaft haben wir glaub ich die meisten Kilometer zurückgelegt, als bei den zwei anderen. Und während wir so dahin schlenderten, philosophierten wir über die Geburt. Ist es nicht total verrückt, sich sein Baby vorzustellen, welches man sehr bald in die Arme nehmen kann? Man hat natürlich eine gewisse Vorstellung, bzw. Vermutung z.B. zur Haar-oder Augenfarbe. Ich finde es immer wieder aufs neue so extrem überwältigend. Genauso, als wenn man darüber nachdenkt, ob das Universum irgendwo endet.

Auf dem Weg nach Hause sind wir vorher noch in den Mix Markt reingesprungen, wo Katerina sich diverse Sahne-Kuh-Bonbons gekauft hat. Von Aldi gab’s noch ne Tüte Chips und Cola für den geplanten Netflix Film/Serienabend später. Das war unsere geplante Alternative zu einem Kinobesuch. Die nichtvorhandenen Sofas und dass man nicht beliebig den Film anhalten kann um auf Klo zu gehen, waren die Hauptgründe für unseren Plan B.

Auf dem Parkplatz vom Restaurant, meinte Katerina noch, dass wir ja vielleicht noch einen besseren Tisch bekommen, wenn sie sehen, wie schwanger sie sei. Ja, genau…konnte ich mir nicht vorstellen. Vor allem, wenn wir um Punkt halb 6 angerufen haben und wir den letzten Tisch am Eingang bekamen, würden wir mit Sicherheit keinen anderen Tisch bekommen. War ja auch egal…Hauptsache was leckeres zu futtern.

Gönn dir Abend

Dann ist aber der für mich unvorstellbare Fall eingetreten, dass wir tatsächlich einen anderen Tisch bekommen haben. Die Gäste vor uns waren, laut Aussage, des Kellners schneller fertig und so haben wir den Tisch mitten im Restaurant bekommen. Hammer! Was für ein Tag, oder? Im bisherigen Tagesverlauf lief alles wie am Schnürchen! Das Essen was wir bestellt haben, war exzellent! Katerina hatte Lamm Bhuna und ich Chicken Moghulai, ein Curry mit Paneer, Rosinen und Cashews. 1A!

Als wir gegen 9 halb 10 wieder Zuhause waren, sind wir dann doch zu müde und kaputt gewesen, um noch einen Netflix-Abend dran zu hängen. Beim Abendessen dachten wir noch, dass es im Prinzip DER perfekte Zeitpunkt wäre, dass sich das Babe auf den Weg macht. Auf der anderen Seite vielleicht auch doch nicht, da es schon alles ziemlich „anstrengend“ war. So waren wir maximal ne halbe Stunde später, nachdem wir zurück waren im Bett.

Morgenstund hat Gold im Mund

Kurz nach 4 am Morgen

Und dann war es halb 4 in aller Herrgotts Frühe…Katerina wurde wach, und konnte nicht mehr einschlafen. So wurde ich natürlich auch wach. Und was macht man um diese Uhrzeit? Auf die andere Seite legen und weiter pennen. Nö, ging nicht, wir waren hellwach! Deswegen haben wir uns um kurz vor 4 angezogen um ne Runde um Block zu laufen. Komisch..war kaum was los auf den Straßen. Die frische Luft war definitiv frisch. Die uns hinterher, leider erst ab halb 6/ 6 Uhr wieder müde gemacht hat, so dass wir wenigstens noch drei Stunden schlafen konnten.

Nach einem kleinen Frühstückssnack sind wir rüber ins Klinikum zur nächsten Ultraschallkontrolle. War alles total entspannt. Sah alles super aus. Kein Grund zur Beunruhigung, das Baby hat noch Zeit bis Mittwoch oder Freitag. Am Freitag wären zwei Wochen über dem Termin gewesen. Was konnten wir machen, außer abwarten und dass Katerina mehr Himbeerblättertee trinkt? Einfach chillich bleiben und hoffen, dass es früher losgeht.

Nach dem wir die Kinder abgeholt haben, war nicht mehr viel los an dem Tag. Katerina hat verständlicherweise etwas Trübsal geblasen. Ich habe auch gedacht, dass ich am nächsten Tag nicht mehr arbeiten bräuchte. Gerade am Montag, an dem die Medikamente für die Woche vorbereitet werden müssen, hätte ich gerne durch das Baby bedingt frei gehabt. So ging der Sonntag dann auch zu Ende ohne besondere Geschehnisse.

Geht’s jetzt los?

Es war gegen 1 Uhr, als Katerina aus dem Badezimmer kam. „Es passiert was!“ Und weg war sie wieder. Ich hab’s erst gar nicht gerafft. Erst, als sie nochmal wieder kam und ich dann noch im halben Halbschlaf war, sagte sie mir nochmal, dass etwas passiert. In dem Zustand, in dem ich mich befand, fragte ich sie, ob ich vielleicht schon meinem Chef Bescheid geben sollte. Total logisch, oder nicht? Als hätte dieser um 1 Uhr nachts irgendetwas dienstliches geregelt, geschweige denn die Nachricht überhaupt gelesen. Außerdem konnte Katerina es eigentlich gar nicht genau sagen, was es war. Tante Google war auch involviert bei der ganzen Geschichte und versuchte die Fragen zu klären, bzw. das Anzeichen zu deuten.

Katerina tendierte dann eher zu einer beginnenden, völlig normalen und dazugehörenden Schmierblutung und kein hoher Blasenriss. Es war auf jeden Fall etwas, was vorher noch nicht da war. Spannend, und zwar so spannend, dass wir locker 4h wach lagen. Als der Wecker um 6:20 Uhr anging, hat die Blutung nicht nachgelassen. Also hab ich dann meinem Chef die Situation per Nachricht geschildert und konnte meine ersehnten zwei Wochen Urlaub auf Abruf nehmen.

Der Vormittag war ruhig. Nix außergewöhnliches. Ich habe die Kids das erste Mal in diesem Jahr zur Kita gebracht. Und sonst haben wir ne ruhige Kugel geschoben. Um 14 Uhr habe ich die beiden dann wieder abgeholt. Miss T. hatte wieder einen ihrer Tobsuchtsanfälle, weil sie nicht angezogen werden wollte. Wie das sich dann immer in die länge ziehen kann, ist der Wahnsinn. Zuhause angekommen, musste ich sie erst einmal von ihrer Poop Explosion befreien, so dass beide einen schnellen Snack, damit ich dann auch fix zu Katerina rüber konnte, die im Bett lag.

Während ich die Windel wechselte, hörte ich sie zwischendurch rufen, ob ich mal kommen könnte. Um halb drei war ich dann bei ihr. Nach der Frage was die Kinder machen, sagte sie auch im fast im gleichen Atemzug, dass die Kiddies am besten jetzt sofort abgeholt werden sollten. Ui, ok. Ich angerufen, ca. 10 min später war Opa da. Und als die drei dann weg waren, kehrte in Katerina endlich die ersehnte Ruhe ein.

Es war diesmal anders als bei den anderen beiden. Die zwei Großen haben ihre Geburt mit nem vorzeitigen Blasensprung eingeleitet. Bei Miss L. gab es einen Wehencocktail, der innerhalb von 30 min Kontraktionen vom Feinsten ausgelöst hat. Bei Miss T. gab es zwar auch einen Cocktail, der aber leider keine Wirkung gezeigt hat, und Madame hat sich auch noch länger Zeit genommen, weswegen Katerina ins Krankenhaus musste. Nach 24h kann man aufgrund der hohen Infektionsgefahr nicht mehr im Geburtshaus bleiben.

Auf jeden Fall war es diesmal um einiges entspannter. Katerina wusste immer noch nicht, wie sie das, was sie zu dem Zeitpunkt gespürt hat, einzuordnen hatte. Waren es Baby-Wehen oder etwas anderes?

Es geht los…langsam aber sicher

Bei chilliger Musik und chilligem Licht durch unsere neue Salzlampe haben wir versucht im Bett uns zu entspannen. Total schön. Auf die Salzlampe komm ich aber später noch kurz zurück. Mit der Zeit wurde es offensichtlich, dass es Wehen sind. Zwischendurch habe ich sie massiert und bin mit ihren Wehen voll im Flow gewesen. Da ich mich mit Reiki in den letzten Jahren beschäftigte, habe ich ihr natürlich auch das übertragen. Alles was hilft, dachte ich mir. Soviel, wie ich sie massiert habe, an dem Abend und die Tage zuvor, habe ich, glaube ich, mein ganzes Leben noch nicht massiert.

Irgendwann konnte sie doch nicht mehr so entspannt im Bett liegen bleiben. Also sind wir daraufhin ins Wohnzimmer gegangen. Da habe ich es auch versucht eine gemütliche Atmosphäre mit unserer Lichterkette zu machen. Aber so ganz so toll war es dann doch nicht im Wohnzimmer. Sie bekam das Gefühl, dass die Wehen wieder aufhörten. Es war trotz allem, laut ihrer Aussage, eher unregelmäßig, als die Wehen starteten. Aber bevor die Wehen aufhörten, sind wir natürlich wieder ins Schlafzimmer gegangen, wo es nochmal eine Massage Session gab, bis sie darauf keinen Bock mehr hatte.

Mit der Zeit wurden die Abstände kürzer, zwischen 3 und 4 Minuten. Aber meines Empfindens noch recht entspannt, verglichen mit den ersten zwei Geburten. Ich musste sie nicht ermahnen, dass sie in die hohe Tonlage fällt. Als dann die Atmung merklich angestrengter und lauter wurde, habe ich doch mal eben vorgeschlagen, vielleicht langsam los zu fahren. Das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg ist ca. 10min mit dem Auto entfernt, je nach Verkehrslage.

Auf dem Weg zum Krankenhaus

Katerina stimmte zu, und so waren wir um kurz nach 19 Uhr im Auto. Zum Krankenhaus sind wir gut durchgekommen. Der Notfallparkplatz vom Kreißsaal war zum Glück auch nicht belegt. Der Weg zum Saal war aber noch lang und beschwerlich. Wir mussten durch den Haupteingang zur Notaufnahme und dann fast die ganze Strecke zurück. Ein gefühlter Kilometer mindestens für Katerina. Mir kam es so vor, als wäre zu diesem Zeitpunkt der Abstand, der Wehen kürzer, da wir alle paar Meter halten mussten.

Im Fahrstuhl endlich angekommen,auf dem Weg in die zweite Etage, äußerte Katerina dass es mit dem Pressen losginge. Sch***!, dachte ich mir so. Ich hab vor meinem inneren Auge eine vom Babykopf ausgebeulte Hose gesehen. Oben angekommen, war es trotzdem noch lang genug zum Kreißsaal. Ich wollte Katerina schon fast auf eins der Betten, die im Flur standen, legen, um sie den Rest zu fahren, was am Ende zum Glück nicht nötig war.

Papa Staufi mit Baby im Arm nach der Geburt

Die Geburt

Um 19:40 Uhr sind wir endlich im Kreißsaal angekommen. Die Hebamme hat uns in einen kleinen Kreißsaal geführt, um ein CTG zu schreiben. Nach der Frage, ob es Wünsche gäbe, wie Badewanne, oder….BADEWANNE! kam aus Katerina nur raus und sind dann in einem, für die anstehende Kreißsaalführung vorbereiteten Saal gekommen. Das Problem mit der Geburtswanne war, dass es ca. 15-20min dauern würde, bis der Wasserstand hoch genug sei, damit das Baby geboren werden kann. Kurz bevor der Wasserstand hoch genug war, nach 15 Minuten, kam es zu einem rechtzeitigen Blasensprung. Es war höchste Eisenbahn angesagt, als Katerina in die Geburtswanne stieg. Denn nur drei Minuten später hat unsere kleine Miss M endlich das Licht der Welt erblickt!

Die unbeschreibliche Anspannung war verflogen. Das Warten hatte nun endlich ein Ende. Eine Geburt ist sowieso eine emotionale Sache. Aber von Geburt zu Geburt wird die ganze Geschichte um ein vielfaches emotionaler, muss ich sagen. Die Geschichten, die man von anderen Eltern mit der Zeit hört oder zufällig liest, können schon sehr beängstigend sein. Es ist Gott sei Dank alles gut gegangen. Unsere Kleine ist wohlauf und das ist wirklich das größte Glück auf Erden.

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